Fachseminar Katholische Religion

am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung

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Biblisches Lernen am Praxisbeispiel Turmbau zu Babel

Unsere Sitzung zum "Biblischen Lernen" hatte das Ziel, sich das katholische Verständnis der Bedeutung der Bibel für den Glauben bewusst zu machen und beim Umgang mit biblischen Texten zu bedenken.

Biblisches Lernen

An dem Praxisbeispiel vom Turmbau sollten die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst den Zugang zu einem biblischen Text im Unterricht nachvollziehen und eine mögliche Umsetzung in der eigenen Lerngruppe reflektieren.

Das Praxisbeispiel vom "Turmbau" stellt einen neueren positiven Deutungsansatz der Erzählung vor, bei dem der Schwerpunkt auf der Sprache liegt. An wenigen anderen Texten kann man so deutlich zeigen, dass der Einsatz einer biblischen Geschichte am Schreibtisch beginnt, nämlich mit dem Lesen des Textes selbst und dem Vergleichen unterschiedlicher Auslegungen.

Die biblische Geschichte vom Turmbau ist zwar den meisten jungen Menschen bekannt, aber gerade durch die große Wirkungsgeschichte in Kunst und Literatur liegt der Schwerpunkt der üblichen Textdeutung auf dem Bau des Turms. Dazu kommt, dass viele junge Kolleginnen und Kollegen den Text aus Kinderbibeln kennen und weniger vertraut sind mit der Textstelle Gen 11, 1-9 an sich.

Biblisches Lernen

Im Seminar beschäftigten wir uns in 3 Phasen mit dem Text:

1. Auf den Text zugehen

Das subjektive Konzept der Teilnehmerinnen wurde über  praktische Übungen zum Bauen geöffnet:

Nehmen Sie sich Steine und bauen Sie etwas damit

Bauen Sie in der Gruppe, ohne zu sprechen

Bauen Sie aus 3 Karten einen Turm (Eine Gruppe spricht miteinander, die andere nicht)

Die Ergebnisse wurden verglichen und die Erfahrungen ausgetauscht.

Mit der Quadrat-Methode tauschten sich die Teilnehmer über unterschiedliche Aussagen aus. Auf einem Quadrat standen Sätze wie "Gleichheit macht stark" oder "Gleichheit unterdrückt", "Gott lenkt" oder "Der Mensch ist frei". Sie sprachen über diese Statements, nachdem sie die Satzanfänge "Ja, aber ...", "Ja, weil ..." und "Nein, weil" oder "Nein, aber ..." zuogerdnet hatten.

Biblisches Lernen

2. Mit dem Text arbeiten

Nun wurde der Text erzählt.

Die Erzählung begann mit einer Hinführung in die Zeit und Welt der Entstehung des Textes.

Nach Christoph Uehlinger entstand der Text in der Zeit der assyrischen Unterdrückung. König Sargon II. beschäftigte die eroberten Völker mit dem Bau großer Bauwerke. Die Menschen mussten seine Sprache annehmen, um gemeinsam bauen zu können. Und wer seine Sprache sprach, gehörte zu seinem Volk.

Gott beendet die Unterdrückung der Menschen, indem er ihre Sprache verwirrt. Er will, die Vielfalt und die Zerstreuung der Menschen. Nicht weil die Menschen ihm zu mächtig werden, sondern weil ein einzelner Mensch nicht andere Menschen unterdrücken soll. Der Text kann also als Abschluss der Urgeschichten gelesen werden: Jetzt ist der Mensch so, wie Gott ihn gewollt hat.

(Quelle: Christoph Uehlinger, Weltreich und "eine Rede", Göttingen 1990)

 

3. Mit dem Text weitergehen

Um die Textaussage zu verarbeiten konnten die Hörer je nach Neigung den Text in einem Elfchen oder Haiku verdichten, die Geschichte mit Instrumenten vertonen, den Text in Farben übersetzen.

Ausführliche Beschreibung für die Umsetzung im Unterricht: pdf Turm zu Babel im Unterricht (1.91 MB) und pdf Quadratmethode Turmbau (19 KB)