Fachseminar Katholische Religion

am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung

Was kommt nach dem Tod? - In der Grundschule über das Jenseits sprechen

Kann man schon mit Grundschulkindern über das Jenseits sprechen? Das Bilderbuch "Leb wohl, lieber Dachs" von Susan Varley (Annette Betz Verlag) bietet Ansatzpunkte, mit Grundschülern nicht nur über das Sterben ins Gespräch zu kommen, sondern auch darüber, was die christliche Hoffnung der Auferstehung bedeuten kann.

Bildquelle: Susan Varley, Leb wohl, lieber Dachs, München 1996

Die Schülerinnen und Schüler haben in der Unterrichtseinheit "Tod und Trauer" eigene Erfahrungen zu Todesritualen gemacht und haben Trauer und Trösten nachempfunden (s. Raster der Einheit pdf UE Tod und Trauer (7 KB) ). Nach diesen grundlegenden Stunden setze ich das Bilderbuch ein.

Das Buch erzählt in Form einer Fabel von dem alten Dachs, der merkt, dass sein Leben zu Ende geht. Er verabschiedet sich in einem Brief von seinen Freunden, dem Fuchs, dem Frosch, dem Kaninchen und dem Maulwurf. Die Freunde trauern, als sie von seinem Tod hören. Erst als sie beginnen die persönlichen Erlebnisse mit dem Dachs miteinander auszutauschen, können sie die Trauer überwinden.

Zusammen mit dem Text bieten die Illustrationen des Buches Anknüpfungspunkte, um mit den Schülerinnen und Schülern über "die letzten Dinge " ins Gespräch zu kommen und die christliche Antworten auf die Fragen nach dem, was danach kommt anzubieten und zu bedenken.

Das Sterben

Der Dachs schreibt seinen Freunden, dass er nun durch den großen Tunnel geht. Auf dem Bild sieht man, wie der Dachs einen unterirdischen Gang nicht durchschreitet, sondern auf einen Punkt am anderen Ende zuläuft. Sein Stock, den er bis zuletzt brauchte, weil seine Knochen schmerzten, liegt auf der Hälfte des Tunnels hinter ihm am Boden. 

Die Schülerinnen und Schüler betrachten das Bild und beschreiben es. Aus einem Angebot an Karten mit Versen aus Psalmen oder der Offenbarung (M2 pdf M 2 Textkarten (15 KB) ) wählen die Schülerinnen und Schüler die Verse aus, die ihrer Meinung nach zu dem Bild passen und legen sie an den Anfang oder den Ende des Tunnels. Dem Dachs werden Gedanken oder ein Ausruf in den Mund gelegt. Dabei wird thematisiert, wie sich die Schülerinnen und Schüler das Ende des Tunnels vorstellen.

Nach dieser Erarbeitung erhalten die Schülerinnen und Schüler eine schwarzweiße Kopie des Bildes (M1 pdf M1 Der Dachs geht durch den Tunnel (258 KB) ). Hierzu werden unterschiedliche Arbeitsaufträge angeboten, sodass jeder die Möglichkeit hat, sich nach seinen Neigungen über das Sterben auszudrücken:

"Gestalte das Blatt farbig, sodass deutlich wird, wie du dir den Übergang vom Leben zum Tod, den der Dachs gerade durchläuft, vorstellst."

"Gestalte das Ende des Tunnels. Was erwartet den Dachs dort deiner Meinung nach."

"Wähle einen der Verse aus und setze ihn fort, sodass du mit deinem Text beschreibst, was den Dachs am Ende des Tunnels erwartet."

" Fülle eine Gedankenblase oder eine Sprechblase aus, sodass deutlich wird, was der Dachs beim Übergang vom Leben zum Tod denkt oder fühlt."

In der anschließenden Phase stellen sich die Schülerinnen und Schüler zu zweit oder in der Kleingruppe ihre Ergebnisse vor mit dem Beobachtungsauftrag "Was unterscheidet sich von deinem Ergebnis? Wo gibt es ähnliche Vorstellungen?".

Abschließend werden einige Erkenntnisse aus der Präsentationsrunde im Plenum gesammelt.

Auferstehung

Die inhaltsbezogene Kompetenz, an Beispielen darzustellen, dass "der Glaube an die Auferstehung Menschen Mut und Hoffnung gibt" (1), kann ansatzweise mit den Bildern zu den Erinnerungen der Freunde angebahnt werden.

Im Text erzählen sich die Freunde, nachdem der Dachs gestorben ist, ihre Erinnerungen. Das Bild zu dem Text zeigt die jeweilige Person mit dem Dachs, so als würde er noch leben, z. B. erzählt der Maulwurf, wie der Dachs ihm beigebracht hat, eine Maulwurfskette zu basteln

Dieser Teil des Buches kann arbeitsteilig erarbeitet und vorgestellt werden. Die Schülerinnen und Schüler erhalten dazu gruppenweise die Erinnerungsgeschichte einer Figur und das jeweilige Bild mit dem Auftrag, den Text zu lesen, in die Figur hineinzuschlüpfen und aus der Sicht der jeweiligen Freundin oder des Freundes den anderen die Erinnerung zu erzählen. Schülerinnen und Schülern, die das Buch schon aus anderen Zusammenhängen kennen, fällt es nicht schwer, außer den 4 Figuren des Buches noch weitere Figuren und deren Geschichten zu erfinden.

Bei der Präsentation werden jeweils von den Zuhörern die Bilder beschrieben. Der abschließende Buchtext wird gemeinsam gelesen: "Dachs hatte jedem von ihnen ein Abschiedsgeschenk hinterlassen, das sie wie einen Schatz hüteten...." (2).

Es schließt sich ein Gespräch darüber an, wie sich die Gefühle der Freunde verändert haben und was der Grund dafür sein könnte.

Denkimpulse: "Der Dachs ist tot, dennoch ist er auf jedem Bild zu sehen. Was wollte die Zeichnerin vielleicht damit ausdrücken?"

"Wie geht es den Freunden, bevor sie sich die Geschichten erzählen? Wie geht es ihnen danach?“

"Wenn man sich an jemanden erinnert und etwas von ihm erzählt, ist das fast so, als ob derjenige ... "

Die Schülerinnen und Schüler formulieren eine Fortsetzung des Satzes in Ich-Form, notieren ihn in ihrem Heft und werden angeregt, eigene Erfahrungen aufzuschreiben:

Wenn jemand stirbt, der mir nahe steht, dann bin ich…

Wenn ich mich daran erinnere, was wir zusammen erlebt haben und ich jemand davon erzähle, dann…

Ich fühle mich dann…

An dieser Stelle muss der Begriff "Auferstehung“ nicht ausdrücklich fallen. Im weiteren Verlauf der Einheit (s. Raster), wird eine biblische Auferstehungserzählung gehört. Als Deutungshilfe kann dann auch auf die Bilder vom Dachs zurückgegriffen werden.

Die Arbeit am Buch wird abgeschlossen mit einer komplexen Lernaufgabe, die den Schülerinnen und Schüler den Freiraum bietet, aus der Perspektive einer Freundin, eines Freundes anderen die Trauer über den toten Dachs mitzuteilen. Alle Rituale um den Tod, die die Schülerinnen und Schüler im ersten Teil der Einheit kennen gelernt haben, können hier individuell aufgegriffen werden, sodass einige einen Grabstein malen oder gestalten, andere eine Todesanzeige entwerfen oder einen Brief schreibe.

 


(1) Bildungsplan Grundschule, Katholische Religion, Hamburg 2012

(2) Susan Varley, Leb wohl, lieber Dachs, München 1996