Begegnung mit dem russ.-orth. Christentum Empfehlung

Das Himmlische Das Himmlische

Erkundung der russ.-orth. Kirche "Hl. Johannes von Kronstadt"

Erzpriester Idavajn empfängt zusammen mit der Gemeindereferentin Lidia Kasakova die Hamburger Religionslehrkräfte vor dem Gebäude und bereitet sie auf das Betreten des Gebäudes vor: „Unser Leben ist dreidimensional: Wir unterscheiden das Weltliche, das Himmlische und das Göttliche. Und das sehen Sie hier in unserer Kirche."

Am Rande des Trubels der Online Marketing-Messe (OMR22 - des „Festivals für das digitale Universum“) trifft sich eine Gruppe von Religionslehrkräften der katholischen und staatlichen Schulen auf Einladung des "Referats Religionspädagogik in Schulen" unter der Leitung von Friederike Mizdalski vor der russ.-orth. Kirche Hl. Johannes von Kronstadt. Das Gelände rund um die Kirche ist belebt. Der Tschaikowskyplatz lädt an diesem sonnigen Nachmittag zum Verweilen ein. Die Messebesucher nehmen die Kirche wahr. Manch einer bleibt kurz stehen, schlägt ein Kreuzzeichen und geht weiter. „Das ist normal“, erklärt Erzpriester Idavajn später der Gruppe. „Damit begrüßen sie Gott in ihrem Alltag.“

Der Vorraum spiegelt das Weltliche wider. Hier hängen Plakate mit Gottesdienstzeiten und in einer Abseite werden religiöse Gegenstände wie Ikonen oder Weihrauch zum Verkauf angeboten. Das Himmlische betreten die Lehrkräfte durch die Glastür: Ein lichter Raum mit einer hohen Kuppel. An den Wänden Ikonen mit der vorherrschenden Farbe Gold. So wie in der Offenbarung des Johannes die Heilige Stadt Jerusalem beschrieben wird, „wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes.“ (Off 21,10-11).

„Und wo vermuten Sie das Göttliche?“, fragt Erzpriester Idavajn. Das Göttliche ist verborgen hinter der Ikonostase, eine mit Fresken verzierte Wand mit drei Toren. Nur im Gottesdienst, wenn der Herr im Brot gegenwärtig ist, öffnet der Priester die Tore, sodass die Gläubigen das Göttliche erahnen können.

Die Erfahrung von der „Dreidimensionalität des Lebens“ vertiefen die Lehrkräfte im freien Bewegen durch den Raum, im Entdecken von Einzelheiten und Zuordnen von Fotos. Erzpriester Idavajn geht auf Fragen ein, zieht Vergleiche  und erklärt Zusammenhänge. "Die Menschen auf der OMR22 da draußen beschäftigen sich mit "Icons". Wir haben hier Ikonen". Die Bedeutung von einem Icon in der Copmputerwelt ist nicht weit entfernt von der Bedeutung der Ikonen im orthodoxen Kirchenraum.  Warum Ikonen nicht „gemalt“, sondern „geschrieben“ werden, vollziehen die Religionslehrkräfte nach, indem sie die Umrisse einer Ikone auf ihr Blatt übertragen. Die Begegnung mit dem orthodoxen Christentum hinterlässt bei den katholischen und evangelischen Teilnehmenden ganz unterschiedliche Eindrücke:  Es fehlen nicht nur Bänke, sondern auch die Orgel. Weihwasser wird hier frisch gehalten und zum Trinken angeboten und die Beichte wird nicht hinter verschlossenen Türen abgenommen, sondern während des Gottesdienstes am Rande des Geschehens. Eine Erkenntnis nehmen alle mit: Dass orthodoxe Christen in ihrer Kirche wie in einer "Zeitmaschine" ins Jenseits blicken können. Ikonen und Gold lassen die Herrlichkeit Gottes erahnen und das Kreuz erinnert daran, dass nach christlichem Glauben die Verstorbenen den gleichen Weg gehen wie Jesus Christus.